Bruder Klaus im sozialen Bereich

Mit seiner humorigen Art lässt Bruder Klaus Alte und Kranke ihre Leiden vergessen.
Ein Schelm Gottes für die Menschen


Bruder Klaus


"Na, ihr zwei Schutzengel! Geht ihr spazieren?" Bruder Klaus war schnellen Schrittes auf dem Kevelaer Kapellenplatz unterwegs, bremst aber plötzlich vor zwei älteren Damen ab. Die eine schiebt den Rollstuhl der anderen. "Wie geht es heute?" Der Canisianer-Bruder steht noch in Gehrichtung, aber Zeit für kurze Worte, die hat er immer.

Bruder Schelm

"Ach, Bruder Klaus!" Beide Frauen beginnen zu sprechen. Gleichzeitig. Von den Schmerzen des Alterns, von der neuen Heimat im Seniorenheim, die doch nur Wohnstätte sei. Vom Frühling, der beginne... – Und der seine Blütenpracht als "rosa Teppich extra für Euch zwei Engel" von den Bäumen schüttelt. Bruder Klaus ist ein humoriger Schelm. Die beiden Damen lachen als sie winkend weiter in Richtung Gnadenkapelle spazieren.
Bruder Konrad

Nicht jeder kennt ihn in Kevelaer – aber fast

Auch Bruder Klaus geht weiter. "Hallo, Frau Winterhoff! Die Handwerker noch im Haus?" ruft er der Dame auf dem Fahrrad zu. "Guten Morgen, Herr Flaskamp", so heißt der Mann, der vor der St. Marien-Kirche das Unkraut zwischen den Pflastersteinen bekämpft. "Vorsicht, kleine Magdalene." Beschützend fasst der 67-Jährige das Mädchen an der Schulter, das sich mit Schulranzen auf engem Gehweg an ihm vorbeidrängelt, "die Tochter des Organisten." - Aber nein, "jeden" kenne er nicht in Kevelaer. Und jeder in Kevelaer kenne auch nicht Bruder Klaus, lacht der kleine Mann mit dem weißen Haar im dunkelblauen Anzug. Dennoch scheint es so.
Bruder Klaus

Die Arbeit – "ein Gottesgeschenk"

Denn der Gruß des Canisianers wird stets erwidert: "Hallo, Bruder Klaus!" Und es verwundert auch nicht: 30 Jahre lang war der Ordensmann Sakristan in St. Marien. 30 Jahre lang hat er in dem Wallfahrtsort für unzählige Priester und seinen eigenen Pfarrer die Vorbereitungen der Liturgiefeier getroffen. Drei Jahrzehnte hat der gelernte Frisör die Kirche, Anbetungs- und Beichtkapellen mit Blumen geschmückt, hat Kerzen angezündet, Türen auf- und abgeschlossen, außerdem die Anliegen von Tausenden der Pilger mit in sein Gebet genommen. Fast sein halbes Leben lang war all dies seine Arbeit und ihm "ein Geschenk". Heute besucht Bruder Klaus alte und kranke Menschen aus der Gemeinde, spricht mit ihnen, betet mit ihnen, bringt ihnen die Kommunion. Auch zu dieser neuen Aufgabe sagt er, sie sei eine Gottesgabe "im Alltag".

Die 30 voll gemacht

Aufhören? Ja, der Gedanke daran sei ein schwerer gewesen. Doch die Zeit des Ruhestandes komme eben für jeden irgendwann. Und seinen großen Wunsch, die "30 voll zu machen", erfüllte ihm seine Gemeinde, ließ ihn nach seinem 65. Geburtstag noch einige "Überwochen" absolvieren. Doch am 31. Oktober 2002 wurde der 1937 im Sudentenland Geborene als Sakristan verabschiedet.

Das Datum hat er im Kopf – wie eigentlich alle bedeutenden seines Lebens und der Geschichte Kevelaers. "1642 wurde das Gnadenbild eingesetzt, 1643 die Kerzenkapelle gebaut, seit 1647 steht das Priesterhaus." Und: Der "Turm von St. Marien ist 94 Meter hoch". Bruder Klaus weiß alles. Und was er noch nicht weiß, das erzählen ihm jetzt die älteren Menschen, die er besucht. Manche gar täglich: Nach dem Frühstück bis zum Mittagessen, nach der Ruhepause bis zur Vesper, vielleicht auch noch danach. Er nimmt sich Zeit. Und mit dem Fahrrad erreicht er sie alle.

Gebet und Gespräch

"Wie geht´s ihnen heute, Frau Berger?" Die 97-Jährige hat sich mit ihrem Rollwagen bis zur Haustür vorgearbeitet. Es kostet sie große Mühe, bald werde ihr zweites Knie auch noch operiert. "Ach, heute geht´s nicht, Bruder Klaus!" Zu dem Gesicht der einstigen Küchenchefin will ein solcher Satz gar nicht so recht passen. Ihm sieht man noch an, dass es viel gelacht hat in den Jahren des langen Lebens. "Ich kann heute nicht zu den Senioren gehen!" Zu deren Treffen im Gemeindehaus. "Ja, aber dann ist doch da eine Lücke – ohne sie." Bruder Klaus reibt der alten Dame, die sich in ihren Sessel gegenüber dem Fernseher hat fallen lassen, den Arm. Dann holt er sein Gebetbuch heraus, Elisabeth Berger faltet die Hände, die Kerze mit der goldenen 95 drauf hatte sie schon angezündet. Bruder Klaus betet vor, die alte Frau – "fast so alt wie Johannes Heesters. Aber erst bald" – spricht ihren Part mit fester Stimme mit: "Bitte für uns" und "…denn Dein ist das Reich und die Kraft …". Dann empfängt sie die Heilige Kommunion. – Stille. – Bruder Klaus schaut wieder auf: "Bekommt ihre Nichte heute auch wieder eine Bestrahlung?"

Der Einzelne und seine Geschichte

Der fromme Mann kennt die Geschichte aller genau, sagt beim Gang durch die Straßen: "In jedem Haus ist hier irgendetwas los." Irgendetwas, das er in sein Gebet einschließt, irgendetwas, das für den Einzelnen Bedeutung hat, oft schmerzliche, und das auch der Bruder nicht vergisst. "Wichtig ist, dass man alles, was man tut, mit Überzeugung, Gelassenheit und aus Dankbarkeit tut."

Kontakt

Canisiushaus
Canisiusweg 23
48151 Münster
Telefon: 0251 / 77768-0
E-Mail: info@canisianer.de 
Zufahrt: über Kleihorststraße
> Weitere Kontakte

Gottesdienste im Canisiushaus

Eucharistiefeier
Sonn- und Feiertag: 9.00 Uhr
Montag, Mittwoch und Freitag: 7.00 Uhr
Dienstag und Donnerstag: 18.00 Uhr

Stundengebet
Täglich:
7.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr
Ggf. entfällt es zu Gunsten des Gottesdienstes.

Den aktuellen Gottesdienstplan finden Sie hier...

Logo Bistum Münster